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Pfeife beizen

#1 von Martin ( Gast ) , 18.12.2008 12:01


Hallo Forum,

letztens hat das Balg ... äh, die liebe Kleine eines Bekannten, zwei meiner Pfeifen mit einem Filzstift "bearbeitet".
Liebhaber von Fancypfeifen wären von dem neuen Look begeistert.

Da ich es aber lieber klassisch mag, habe ich versucht das Malheur rückgängig zu machen. Mit bescheidenem Erfolg.
Das Gekritzel ist zwar weg, aber die Beize hat bei der Prozedur ordentlich gelitten.
Kurzerhand habe ich mich entschlossen die Pfeifen komplett abzuschleifen und neu zu beizen.

Nun zu meiner Frage.

1. Muß man unbedingt die Beize in den Parfumflakons aus dem Pfeifenzubehörhandel verwenden, oder tut es auch der 5L Kanister von Obi. Als alter Heimwerker bin ich mit letzterem gut ausgestattet.Habe aber die Befürchtung das zuviel Chemie drin steckt und ich später beim rauchen Sternchen sehe.

2. Muß man die Beize vor dem polieren noch fixieren? Wenn ja - mit was?


Martin

RE: Pfeife beizen

#2 von Jos ( gelöscht ) , 18.12.2008 14:19

Hallo Martin,

Zitat von Martin
1. Muß man unbedingt die Beize in den Parfumflakons aus dem Pfeifenzubehörhandel verwenden, oder tut es auch der 5L Kanister von Obi. Als alter Heimwerker bin ich mit letzterem gut ausgestattet.Habe aber die Befürchtung das zuviel Chemie drin steckt und ich später beim rauchen Sternchen sehe.


Kommt drauf an, was drin ist im Kanister ... Für Pfeifen wird i.d.R. wasser- oder alkohollösliche Beize benutzt.
Wenn Du Kontrast willst, beides. Erst die dunkle Farbe, wasserbasiert, dann die helle auf Alk-Basis. Dazwischen natürlich gut trocknen und abschleifen.

In Antwort auf:
2. Muß man die Beize vor dem polieren noch fixieren? Wenn ja - mit was?

Man kann - mit Paraffinöl. Man muß aber durchaus nicht !

Gruß, Jens

Jos

RE: Pfeife beizen

#3 von Martin ( Gast ) , 18.12.2008 14:36


Hallo Jens,

danke für die rasche Antwort.

Es ist die übliche Holzbeize (für Möbel etc.), z.B. Dulux Decor-Beize.
Also brauch ich mir wegen Vergiftungsgefahr keine Sorgen machen?

Martin

RE: Pfeife beizen

#4 von Jos ( gelöscht ) , 18.12.2008 15:18

Hallo Martin,

Dulux Decor ist afaik wasserbasiert, sollte also funktionieren. Ich denke, wenn Du darauf achtest, daß keine Beize in den Brennraum gelangt, brauchst Du Dir über Vergiftungsgefahr keine Sorgen zu machen.

Gruß, Jens

Jos

RE: Pfeife beizen

#5 von Heinz D. ( Gast ) , 20.12.2008 01:45

Hallo Martin,

ich weis nicht, wie Deine Werkstattausstattung aussieht, aber für das "perfekte" Finish:

Pfeife abschleifen bis mind. 320 Körnung (100er, 180er dann 320er) bis keine Schleifspuren mehr zu sehen sind.

Mit grober Polierpaste blank polieren, dann Reste der Polierpaste (Wachs) mit Alkohol oder Waschbenzin abwaschen.

Das Holz etwas anfeuchten, damit sich die Poren öffnen, dann dunkle Kontrastfarbe auftragen und über Nacht trocknen lassen. Ich trage mit einem geknickten Reiniger auf und wische mit einem in Beize getränkten Kosmetiktuch nach - Handschuhe sind empfehlenswert...

Wenn die Pfeife eher dunkler werden soll, dann am nächsten Tag noch einmal Kontrast auftragen und wieder über Nacht trocknen lassen.

Ansonsten gleich mit feiner Polierpaste das Strukturholz frei polieren. Man kann auch feines Schleifleinen, wieder 320er, nehmen, aber auch wenn Polieren aufwendiger ist, so bleibt die Oberfläche deutlich glatter. Wieder mit Alkohol oder Waschbenzin abwaschen. Das kann man auch bei Alkoholbeize machen, da die Beize tief genug im Füllholz eingezogen sein sollte.

Hellere Finishfarbe auftragen und wieder trocknen lassen. Dann Clou Schnellschleifgrund (lt. Herstellerangabe verdünnt!) auftragen. Mind. 2 Stunden trocknen lassen und dann mit feiner Polierpaste komplett wieder abpolieren. Der Schnellschleifgrund enthält Cellulosefüller, der die Poren glättet und nicht die Oberfläche versiegeln soll.

Noch einmal Finishfarbe auftragen, trocknen lassen und mit Paraffinöl einreiben. Dieses sollte auch 1-2 Stunden einwirken können, dann mit Kosmetiktuch abwischen und über Nacht trocknen lassen (Paraffinöl trocknet tatsächlich).

Feinpolitur, dann möglichst Wachsreste mit einer sauberen Polierscheibe abpolieren und Carnaubawachs aufziehen. Ebenfalls mit einer eigenen Scheibe und eher sparsam. Dann wieder mit der sauberen Scheibe das Carnauba verteilen und auf Glanz bringen.

Den letzten Tick Glanz bekommt man dann noch, wenn man mit einer Lammfellhaube (Baumarkt) nachpoliert.

Die Polierscheiben sollte man vor dem ersten Gebrauch und von Zeit zu Zeit mit einem Sägeblatt (Fuchsschwanz) aufrauhen, bzw. von Wachsresten säubern.

Schleifleinen das feiner als 400er Körnung ist, ist m. M. nach ungeeignet, da es sich zu schnell mit Schleifstaub zusetzt und dann Riefen bildet. Das Nachpolieren mit feiner Polierpaste reicht für Mundstück und Holz vollkommen aus.


Herzliche Grüße,

Heinz D.

Heinz D.

RE: Pfeife beizen

#6 von Martin ( Gast ) , 20.12.2008 07:10


Hallo Heinz,

super ... danke für die Anleitung.

Bis auf das Paraffinöl müßte ich alles da haben. Werde mal in der Apotheke fragen ob sie das Zeug besorgen können.

Nun habe ich im Weihnachtsurlaub etwas sinnvolles zu tun.

Martin

RE: Pfeife beizen

#7 von Walle ( gelöscht ) , 20.12.2008 12:38

Moin Martin!

Wenn Du schon zur Apotheke musst: Kaufe noch ein bisschen Aceton für die Alk-Beize. Circa 20% hinzufügen, das lässt die Beize besser einziehen.

Mein Senf zum Schleifen: Ich nehme Nassschleifpapier. 180, 240, 320, 400 und 600. Wenn man sich einenen großen Pappendeckel vor den Sessel legt, kann man im Wohnzimmer im Schatten des Weihnachtsbaumes arbeiten, ohne dass es des Schleifstaubes wegen Ärger gibt - der Staub wird im Wasser (oder in der Spucke) gebunden und tropft auf die Pappe. Durch die nasse Bearbeitung bekämpft man darüber hinaus erfolgreich die geheimnisumwitterten Flimmerhärchen ...

Cheerio!
Walle

Walle

RE: Pfeife beizen

#8 von Martin ( Gast ) , 20.12.2008 13:08


Hallo Walle,

so stell ich mit ein besinnliches Fest vor. Vorm Bäumchen sitzen, "Stille Nacht" trällern und Pfeifen schleifen.
Meine Lieben werden begeistert sein

Am Montag werde ich zur Apotheke schlendern und dann werden die Hühner gesattelt. Mal schauen was dabei rauskommt.

Martin

RE: Pfeife beizen

#9 von Arno , 20.12.2008 22:41

Hallo Walle,

besten dank für die Kniff's... jetzt ist in einigen Familien das Weihnachtsfest gelaufen... ....pappi hat ne pfeife bekommen und er geht erstmal los, um die Utensilien zu holen, damit die Pfeife von Savinelli erstmal ne ordentliche Beizung bekommt....


Gruss Arno



www.verbilligen.de

 
Arno
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Registriert am: 23.10.2008


RE: Pfeife beizen

#10 von Gerd ( gelöscht ) , 21.12.2008 17:18

Hallo zusammen,

und dann könnte mann ja auch gleich mal überlegen aus der schlichten Savinelli was in Richtung Walle zu schleifen.

Gerd

RE: Pfeife beizen

#11 von Felix ( gelöscht ) , 21.12.2008 21:11

Hallo,

jetzt muß ich aber mal dumm fragen:

warum beizen?

Kann ich nicht das Holz natur lassen und einfach mit Schleifpaste schleifen und anschließend mit Cabaunawachs einlassen?
Mir gefallen die hellen Pfeifen eh besser.

Gruß
Jürgen

Felix

RE: Pfeife beizen

#12 von Martin ( Gast ) , 21.12.2008 23:08


Hallo Jürgen,

du sagt es.
Es ist eine Sache des "Gefallen". Durch das Beizen läßt sich die Maserung besser hervorheben, oder auch kaschieren.

Ich kann mir nicht vorstellen das die Beize irgendeine andere Auswirkung, ob positiv oder negativ, hat.

Martin

RE: Pfeife beizen

#13 von Heinz D. ( Gast ) , 23.12.2008 01:41

Hallo zusammen, ich noch mal...


...ohne "klugscheißen" zu wollen, mein Wissensstand (?):

@ Walle: Mit Aceton hast Du natürlich recht - hatte ich nicht dran gedacht. Allerdings deswegen nicht, da Aceton nur bei größeren Pigmenten effektiv ist... Das betrifft alle hellen Farben, wie Gelb, Orange, helles Rot, etc. Aceton ist wesentlich dünnflüssiger und leichter flüchtig als der Alkohol in dem die Beize gelöst ist und öffnet durch Ausbreitung beim Verdunsten die Poren weiter. Bei Wasserbeizen habe ich aber keine Erfahrung mit Acetonzusätzen...

Eine aufwendige, aber effektive Vorgehensweise ist, wenn man Alkoholbeize auf etwa die Hälfte einengt (vorsichtiges Abdampfen auf einem Spiritusbrenner ohne zu kochen! oder einfach ein paar Tage verdunsten lassen) und dann auf die ursprüngliche Menge mit Aceton auffüllt. Dann bleibt die Farbintensivität erhalten.

Die sagenhaften Flimmerhaare bindet der Schnellschleifgrund, was ein wiederholtes Wässern und Schleifen des Holzes überflüssig macht. Die Flimmerhaare werden durch Schnellschleifgrund hart und spröde und durch Abpolieren mit entfernt.

Aber gegen Naßschleifen ist natürlich absolut nichts zu sagen - wenn ich mir den Staub in meiner Werkstatt so anschaue...


@ Felix: Das "Beizen" oder eher Färben ist nur ein kosmetischer Effekt, um den Unterschied zwischen Struktur- und Füllholz besser hervorzuheben. Naturbelassene Pfeifen haben bei schöner Maserung durchaus ihren Reiz. Die Vorgehensweise bei der Oberflächenbehandlung sollte aber trotzdem wie beschrieben eingehalten werden, da Schnellschleifgrund eben die Poren füllt und die Flimmerhaare entfernt, Dadurch erhälst Du eine glatte Oberfläche auf der man durch Polieren einen Spiegel aufbauen kann, was nach dem Auftragen des Carnaubawachses den Glanz ausmacht.

Hintergrund: Glanz entsteht nur, wenn auftreffendes Licht möglichst komplett reflektiert wird. Hast Du Krater oder Unebenheiten (offene Poren, Flimmerhaare) auf der Oberfläche, so wird das Licht gebrochen und die Oberfläche wirkt matt bis max. seidenmatt.

Paraffinöl dient übrigens nicht dazu, die Beize zu fixieren - die ist im Holz und bleibt da auch ganz gut drin! Paraffinöl feuert nur die Farben an, d. h., sie wirken leuchtender. Das ist bei naturbelassenen Pfeifen also auch überflüssig...

Zum Beizen: Beim Bearbeiten von Holz mit gelösten Pigmenten, den handelsüblichen Alkohol- oder Wasserbeizen, findet im Prinzip "nur" eine Färbung statt. Unter Holz Beizen versteht man die Behandlung mit Chemikalien, wobei durch chemische Reaktionen die Farbe des Holzes verändert wird. Z. B. Golden Kontrast, das durch eine Vorbehandlung des Holzes mit einer tanninhaltiger Lösung und anschließendem "Bedampfen" mit Amoniak gemacht wird.


Herzliche Grüße,

Heinz D.


Heinz D.

   

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