Geschichten zum Wochenende
Diese bissige Geschichte war einer der Lacher beim letzten Hausdorfer Tabakkollegium und ich glaube, daß einige der hiesigen Leser auch Freude daran haben. Ich möchte damit allerdings keine Gefühle verletzen - mancher ist da ja etwas verbissen, wenn´s um die Größen der Geschichte oder um die Randgebiete des Glaubens geht. (aus: Luthers Floh; E.W. Heine ; Diogenes Verlag / bei Amazon erhältlich)
Luthers Floh
Entnommen aus "Geschichten aus der Weltgeschichte", Diogenes-Verlag, aufgeschrieben von E.W. Heine.
Ein unbekannter Mönch aus dem sechzehnten Jahrhundert, der ein Manuskript Luthers abschrieb, entdeckte zwischen den handgeschriebenen Blättern de Meisters einen toten Floh, von dem er annahm, dass Luther ihn persönlich zur Strecke gebracht habe. Er nahm den ungewöhnlichen Fund, leimte ihn behutsam auf ein Blatt Pergament und schrieb darunter: "Floh, gefunden in Luthers Kollegienheft über die Propheten vom Jahr 1524/25 auf der Seite, welche am 5. April 1525 beschrieben wurde."
Abschrift und Floh gerieten in den Dachspeicher des Klosters und damit in Vergessenheit. Erst zum Lutherjahr 1983 wurde das inzwischen mumifizierte Insekt bei einer gründlichen Aktensichtung in der Altenburger Außenstelle
des Staatsarchivs Weimar wiederentdeckt.
Als ich davon erfuhr, war mir sofort klar, dass es sich hier um einen Jahrhundertfund handelte, nur zu vergleichen mit der Wiederentdeckung Trojas durch Heinrich Schliemann.
Wenn der Floh wirklich eigenhändig von Luther erledigt worden war - woran ich nicht zweifelte - , so besaß die protestantische Christenheit mit ihm eine Reliquie von unschätzbarem Wert. Flöhe sind ja bekanntlich so klein, dass man nur Notiz von ihnen nimmt, wenn sie beißen. Das heißt, das kleine blutrünstige Biest hatte noch unmittelbar vor seinem Ableben den Saugstachel in den Reformator gebohrt. Der Floh enthielt wirklich und wahrhaftig einen Tropfen Blut von Martin Luther. Der Floh war die einzige authentische Blutreliquie der Reformation!
Mit Unterstützung des Weltkirchenrates und des Auswärtigen Amtes der Vereinigten Staaten von Amerika erhielten vier westliche Wissenschaftler die Sondergenehmigung der DDR, den Floh zu untersuchen. Ich war einer von ihnen. Wir reisten nach Ostberlin, wo der Floh in einem Tresor des Ministeriums für Staatssicherheit lagerte.
Zunächst einmal ging es uns darum, den Nachweis zu erbringen, daß es sich um einen authentischen Luther-Floh handelte. Dank der Genauigkeit des Mönch-Schreibers stand fest, dass der Floh am 5. April 1525 erledigt worden war.
1525 war für Luther ein ganz besonderes Jahr. Er stand im Zenit seiner Schaffenskraft. In seinen Schriften und in seiner Lebensführung vollzog er die endgültige Ablösung vom Mittelalter. Es war die Zeit der Bauernkriege und das Jahr seiner Vermählung mit Katharina von Bora.
Mit *De servo arbitrio* verfasste er sein theologisch bedeutsamstes Buch. Auch körperlich war Luther in schwergewichtiger Hochform. Er war jetzt zweiundvierzig Jahre alt, frisch verheiratet und von unstillbarer Fress- und Verdauungswut, was sich deutlich in seinen Reden widerspiegelt. Er predigte den Bauern: "Wahrlich, es wird dich nicht zu einem Christus machen, daß du die Obrigkeit verachtest, dich voll und toll frissest und säufst."
Und über die Fürsten wetterte er: "Jetzt vergessen sie Gottes, der sie dazumal errettet, da sie doch so schändlich in die Hosen schissen, dass es noch stinkt, wo ein Scharrhans gehet oder stehet."
Am 5. April, am Vorabend seiner Reise in die Unruhegebiete Sachsens und Thüringens, gab Luther in seinem Haus ein Essen. Da im Jahre 1525 der 5. April in die Karwoche fiel, gab es Fisch, genauer gesagt Karpfen. Aus einem Brief von Philipp Melanchthon wissen wir, daß Spiegelkarpfen, in Wurzelsud gekocht, zu Luthers Leibspeisen gehörten. Bei richtiger Zubereitung mit einer dicken Soße aus Bockbier und geriebenem Lebkuchen entwickelte der Reformator einen Robbenappetit. Bis zu vier Karpfen pro Mahlzeit schaffte er. Es sollen auch schon mal sieben gewesen sein.
Der Untersuchungsbefund des Blutes - Blutgruppe 0, Rhesusfaktor positiv - zeigte in der Tat stark erhöhte Werte der Eicosapentaensäure. Zum allgemeinen besseren Verständnis möchte ich hier kurz erklären, daß nach einer überwiegenden Fischdiät die Thrombozyten ein vermindertes Aggregationsverhalten der Blutplättchen auf Collagen aufweisen. Der Eicosapentaensäuregehalt steigt. Der Träger des von uns untersuchten Blutes hatte eine überdurchschnittlich große Menge Fisch zu sich genommen.
Die Wertskala lag an der oberen Grenze bei Ergebnissen, wie man sie sonst nur bei Eskimos antrifft.
Damit stand fest, dass es sich um Martin Luther handelte.
Der Hypophysenmittellappen pathologisch fetter Meerschweine enthält ein Hormon, das die Insulinfreisetzung stimuliert.
Dieses so genannte ß-Zelltropin konnte im Plasma des dehydrierten Blutes einwandfrei stark erhöht nachgewiesen werden. Luther litt, wie seine Portraits bezeugen, unter Fettsucht und chronischer Verstopfung. Sein bekannter Ausspruch "Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz" erhält unter diesem Aspekt eine neue realistische Bedeutung, mit der sich die Luther-Forschung noch ausgiebig wird befassen müssen. Auch Luthers Tischspruch "Warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmecket?" bestätigt nur unsere Untersuchungsergebnisse. Jeder, der selber einmal stark verstopft war, weiß, was für eine Erleichterung das Ablassen der Winde bedeutet
Wenn immer wieder betont wird, dass der Ablass beim Zustandekommen der Reformation eine zentrale Rolle gespielt habe, so ist das zweifellos richtig, sowohl in religionspolitischem Sinne als auch in internistischem.
Luther litt unter einem Ablaßtrauma.
Die moderne Psychologie lehrt, dass das Böse seinen Sitz im Bewusstsein habe, das heißt im Kopf.
Luther glaubte, dass man den Teufel im Leibe hätte, im Darm.
Er konnte sich dabei, wie in allem, auf das Neue Testament berufen, wo nach der missglückten Versuchung Christi der Satan in die Säue fuhr, die sich daraufhin vor Bauchschmerzen ins Meer stürzten. Luther, von dem der Papst sagte: "Eine Wildsau ist in unseren Weingarten eingebrochen", fühlte sich wie eine jener armen Säue mit dem Teufel im Leib. Er stürzte sich jedoch nicht ins Meer, sondern nach alter deutscher Art in die Arbeit, schlug die Thesen an die Kirchentür oder schleuderte Tintenfässer gegen die Wände, wenn es der Leibhaftige (eine sehr aufschlussreiche Luther-Übersetzung für den Teufel) allzu toll in ihm trieb.
Und er, der sich nach nichts so sehr sehnte wie nach einem befreienden Schiß, sublimierte diesen nicht ausgelebten
Fäkalientrieb zu hohen ethischen Begriffen wie "Schisma" und "Katechismus".
Luther hatte eine seltsam intime Beziehung zu seinem Darm.
Die Briefe an eine Eltern sind voll von detaillierten Berichten über seinen Stuhlgang und seine ständigen Blähungen, die er sogar im Kampf gegen den Bösen erfolgreich einsetzte.
So prahlte er damit, dass er den Teufel "mit einem einzigen Furz" verjagen könne. Vermutlich lässt sich sogar sein entscheidendes Schlüsselerlebnis auf diese enorme Knallkraft zurückführen. Auf dem Weg von Mansfeld nach Erfurt geriet der junge Luther in ein Gewitter. Dabei erlebte er einen Donnerschlag "so dicht am Leibe", dass er in höchster Not das Gelübde ablegte, ein Mönch zu werden.
Zahllos sind seine Vergleiche, die sich aufs Essen und Verdauen beziehen. So heißt es in dem bekannten Kirchenlied: Ein feste Burg ist unser Gott": "Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen".
Auch in der Sexualität hielt er das fleischige Hinterteil einer Frau begehrenswerter als ihren Busen. Sein weibliches Ideal umriss er mit den Worten: "Breite Hüften und ein beachtliches Fundament, um darauf zu sitzen".
Immer wieder wird von Theologen beider Konfessionen die Frage aufgeworfen, woher Luther neben seiner umfangreichen reformatorischen Tätigkeit noch die Zeit für seine zahlreichen Schriften und vor allem für die Übersetzung der Bibel ins Hochdeutsche genommen habe.
Auch hier liegt des Rätsels Lösung in Luthers Hartleibigkeit. Schon der römische Dichter Juvenal vertrat die Ansicht, dass schwerfällige Darmtätigkeit der Dichtung förderlich sei. Ohne Zweifel verdanken wir die schönsten Psalmen dem Plumpsklo der Wartburg, wo der Junker Jörg in langen nächtlichen Sitzungen mit der Materie rang.
Chronische Verstopfung bewirkt, dass den davon Befallenen das Sitzen schwer fällt, dass sie - wie übrigens auch Luther - lieber an Stehpulten als an Schreibtischen arbeiten. Vielleicht kommt auch dem berühmten Ausspruch vor dem Reichstag in Worms "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" eine ganz andere Bedeutung zu, als man bisher angenommen hat.
Die Untersuchungen an dem Altenburger Floh sind noch nicht abgeschlossen, aber schon heute lässt sich konstatieren: Die Reformation war eine Auseinandersetzung zwischen dem Stuhl Petri und dem Stuhl Luthers. Luthers Stuhl blieb hart, der Heilige Stuhl blieb es auch, und so kam es, wie es kommen musste.
Die Geschichte des Abendlandes hätte einen anderen Verlauf genommen, hätte Luther seine Küche reformiert anstatt seine Kirche ........