Hallo Forum,
schade, der Tabak hat sehr wenig aktuelle Beachtung auf daft. Die Reviews reichen bis Ende 2003, danach ist er zwar sicher gekauft und geraucht worden, letztendlich kann man ihn jetzt auch in Deutschland legal erwerben. Man braucht also keinen Kollegen mehr, der einem diesen Tabak mitbringen muss. Die, die solche Kollegen hatten, haben seit Ende 2003 diesen Tabak nicht mehr beschrieben. Scheinbar war die Nachfrage aber gross genug, um ihn auch in Deutschland direkt zu plazieren, z.B. hier: Pfeifen Behrend in der Wetterau
Damals klang das so:
"Markenname: Samuel Gawith
Hersteller: Samuel Gawith, sons & co.
Mischung: hand-stripped flue-cured Zimbabwe leaf, steamed to a Golden color, then stoved into a unique melange of flavors
Schnittbreite: Mixture
Typ: aromatisiert
Stärke: leicht-medium
Verpackung: 50 g Dose und als Bulk
Preis: $8.50 für 2 oz, $24 für 8
Frank Nicolai
Der Grousemoore war ein Tabak, auf den ich sehr gespannt wartete. Ich hatte an einer Probe gerochen und ihn sofort danach geordert, denn allein schon der Geruch machte mir Appetit. Der Tabak ist von sehr heller Farbe; fast erscheint es unwahrscheinlich, dass es sich um ausgereiften Tabak handelt. Einzelne Tabakfasern sind von so hellem Gelb, dass sie weiß wirken. Durchmischt mit einigen wenigen dunklen Flakeanteilen ist der Tabak eine Symphonie in hellstem Hellbraun. Allerdings finden sich auch Blattachsen im Tabak von solcher Stärke, dass man damit Staketenzäune reparieren könnte. Der Tabak fasst sich etwas klebrig an, ohne jedoch wirklich zu kleben; so, wie ein trockenes Stück Seife. Und dieser Vergleich ist nicht weit hergeholt, denn der Tabak riecht nach Seife pur. Wenn ich beim Bulldog Golden Flake schon über Seifengeruch und -geschmack schrieb, dann meinte das eher blumige Feinseife. Demgegenüber erinnert der Grousemoore an billige Waschpaste, wie man sie aus Autowerkstätten kennt. Das Gesagte ist nicht als Abwertung zu verstehen; es dient nur der Differenzierung. Das Anzünden gelingt problemlos. Der Tabak bäumt sich anfangs ein wenig auf und es braucht ein wenig Übung, ihn gleichmäßig an der Oberfläche zum Glimmen zu bekommen; spätestens jedoch, wenn sich die erste leichte Ascheschicht über die Glut gelegt hat, brennt der Tabak bis auf den allerallerletzten Krümel problemlos herunter. Beim Stopfen sollte man darauf achten, den Tabak weniger fest zu stopfen, als man es gewohnt ist - aus irgendeinem Grunde quillt der Tabak offensichtlich in der Pfeife auf und der Zug wird schwer. Nun, das hat auch einen Vorteil: man bekommt aus 100 Gramm des Tabaks mehr Pfeifenfüllungen als aus jedem anderen ;-) Der Geschmack wird geprägt von dem im Geruch bereits festgestellten seifigen Aroma. Allerdings lässt die Intensität nach etwa 10 Minuten etwas nach - aber es soll nicht verschwiegen werden, dass ich sicherlich schon etwas wie "Resistenz" gegen dieses Aroma erreicht habe und das Seifige kaum noch bewusst erkenne. Natürlich bleibt das Aroma immer präsent - und zwar so sehr, dass man dem Tabak eine Pfeife gönnen sollte, denn das Cross-Over-Vermögen des Grousemoore ist beträchtlich. Gut verträgt er sich mit dem Ennerdale Flake und seinem Namensbruder Grousemoore Plug in einer Pfeife. Wer den Grousemoore Plug kennt wird kleine Unterschiede feststellen. Die Aromatisierung ist IMO die gleiche, aber die Intensität ist eine andere. Wohl durch den anderen Schnitt des Tabaks hält die Mixture das Aroma länger und der Tabakgeschmack ist weniger intensiv. Der Plug kehrt dies um. Allerdings ist auch davon auszugehen, dass der in der Mixture verwandte Tabak weniger Eigengeschmack hat als der zum Plug gepresste. Ab und an sollte man die Asche ein wenig nachstopfen - wobei das Wort den Vorgang nicht trifft. Es genügt, mit dem Finger etwas an die Pfeife zu klopfen. Denn die Asche des Grousemoore ist feiner als Staub. (So stell ich mir Mondstaub vor.) Es empfiehlt sich, beim Reden die Pfeife aus dem Mund zu nehmen, denn der feinen Asche genügt ein Luftzug, um davonzuschweben. Das bedeutet also aber auch, dass der Grousemoore kein "Out-Door-Tabak" ist, denn der kleinste Windstoß räumt die Asche aus der Pfeife und ohne die deckende Ascheschicht raucht sich der Tabak dann verhältnismäßig schnell heiß. (Es wäre ja auch schade darum, diesen Geruch in die Natur zu blasen... in Zimmern ist er besser aufgehoben) Der Tabak gehört zu einen der sparsamsten, die ich kenne: wie schon oben bemerkt benötigt man weniger Tabak als gewöhnlich, um eine Pfeife zu stopfen (der Rauchgenuss ist trotzdem nicht kürzer) und: er braucht keine Reiniger. Selbst beim filterlosen Rauchen ist das zwischenzeitliche Kondensataufnehmen unnötig.
Fazit: Die Grousemoore Mixture hat es in meiner persönlichen Hitliste von Null unter die ersten 10 geschafft. Ich mag diesen Tabak sehr. Warum... siehe oben. Wer an dieser Art der Aromatisierung Gefallen findet kommt an Grousemoore nicht vorbei.
(06.06.2001)
Björn Hollensteiner
Da ich schon seit längerem den Grouse Moor Plug kenne und schätze, kam ich eigentlich fast logischerweise dazu, der Mixture auch einmal eine Chance zu geben. Dies geschah während des Daft-Treffens in Ulm im April 2001, da Daniel Schneider (http://www.pipesandtobaccos.com) dort erstmals Proben dieses neu in seinem Angebot befindlichen Traditionstabaks verteilte. Kaum angezündet und die ersten Züge genossen, kam es bei mir zu einem der Gefühlszustände im Leben, bei denen man feststellt: "Das ist es! Genau so muss es sein!!". Schnell war das Probetütchen leer und ich musste gespannt auf die Lieferung von Daniel warten, die Gott sei Dank bald darauf eintraf. Laut Hersteller, der Samuel Gawith TC, Kendal (Großbritannien), ist das Rezept dieses Tabaks schon seit über 200 Jahren überliefert und wird noch heute unverändert angewendet. Der Grundtabak ist ein hell bis mittelbrauner Virginia, der teilweise durch kurze Pressung etwas nachreifen durfte. In der Mixture findet man entsprechend noch kleinere Ready Rubbed Anteile, die ein dunkleres Aussehen haben, als der Rest, der aus schmalem Ribbon Cut besteht. Bedauerlicherweise sind, wie auch Frank schon feststellte, auch Stängel beigemischt, die teilweise beachtliche Größe haben, aber niemals knochenhart sind. Normalerweise sortiere ich diese heraus, aber Probefüllungen mit Stängel brachten keine Einbußen hinsichtlich Abbrand und Geschmack. Ungeraucht verströmt die Mixture ein deutliches Parfum-Seifenaroma, das einen in dieser Hinsicht unerfahrenen Raucher erst einmal befremden dürfte. Trotzdem wage ich die Behauptung, dieses Aroma im Vergleich mit anderen Produkten des Hauses S. Gawith als dezent und nicht zu aufdringlich zu bezeichnen. Das Füllen in die Pfeife sollte recht locker erfolgen, da der Tabak etwas aufquillt und die Pfeife verstopfen kann. Das Anzünden ist etwas mühsamer als bei anderen Mixturen, da der Tabak anfangs häufiger wieder aus geht. Dies habe ich auch bei anderen Mixtures von S. Gawith beobachtet, was mich zur Vermutung veranlasst, dass dem Tabak keine abbrandregulierenden Stoffe beigemischt werden. Hat sich jedoch einmal eine Ascheschicht gebildet, die den Tabak bedeckt, glimmt er willig, wie auch Frank es beschrieb. Der Rauchduft ist süß, parfumig, würzig, seidig ... ich kann nur schwer alle Adjektive finden, die dem Geschmack des Tabaks gerecht werden. Jedenfalls halten sich sowohl die Düfte des Tabaks als auch die des Aromas immer im Gleichgewicht. Die Asche ist feinpudrig und hellgrau, schwebt wie Staub aus der Pfeife, wenn man sie leert. Die Stärke würde ich als medium einstufen. Kondensat entsteht kaum nennenswert, der Tabak lässt sich sowohl mit als auch ohne Filter lecker abrauchen.
Fazit: Es ist nicht leicht, ein Review über einen Tabak zu schreiben, an dem man so recht keine Macken entdecken kann. Ich habe bisher noch keine Füllung von ihm geraucht, die mir aus irgendeinem Grund nicht schmecken wollte, oder bei der ich besondere abbrandtechnische Probleme hatte. Ein Meisterwerk der Tabakkomposition, das ich nicht mehr missen möchte. Der Tabak bekommt von mir ein uneingeschränktes "Sehr empfehlenswert!".
(09.06.2001)
Ingo Gebert
Mit den nachfolgenden Worten wird der Tabak sinngemäß beschrieben: „Ein original Mischung von Samuel Gawith, vermittelt Grousemoor etwas von der Vorstellung der Lakeland Szene mit seine Vorliebe für saisonale Geschmäcker. Hergestellt in den Herzen der Lakelands für über 200 Jahre, ist die Mischung und Aromatisierung des Grousemoor ein wohlgehütetes Geheimnis, welches nur drei Leute innerhalb des Unternehmens kennen. Unter Verwendung einer Mischung von Hand entrippten flue-cured Tabak, werden die Tabakblätter für den Grousemoor in erster Linie flue-cured getrocknet, um dann geschnitten zu werden. Nach einer weiteren Trocknung, um den Grousemoor seine eigene, goldene Farbe zu geben, wird der Tabak abschließend geschnitten.. Der abschließende Schritt der Produktion ist das Hinzufügen einer einzigartigen Mischung von Aromen. Grousemoor ist ein Muss für Raucher, die während des Tages den Frühling in der Luft haben wollen.“
Das optische Erscheinungsbild besteht aus hellbraunen, fast gelbfarbenen Tabakfäden. Das In-Brand-Setzen der Pfeife ist etwas mühselig, aber wenn sich die Glut einmal richtig ausgebreitet hat, ist nur noch ein gelegentliches Nachfeuern erforderlich. Nach den ersten Zügen entwickelt der Grousemoor sein volle Stärke und Aroma, es entwickelt sich ein Geschmack, der mich en einen Mix aus Zitrusfrüchten erinnert, ohne dabei eine zu penetrante Süße zu entwickeln. Dieser Geschmackseindruck hält bis zum Ende des Rauchopfers an. Die Stärke des Tabaks würde ich durchaus als Full bezeichnen, dabei ist er allerdings zungenfreundlich, der Einsatz eines Filters war bei mir nicht nötig.
Fazit: Daumen hoch, diesen Tabak werde ich bestimmt noch einmal rauchen, auch wenn er auf grund seiner Stärke sicher eher etwas für die Abendstunden ist.
(01.12.2003)"