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Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#1 von toby ( gelöscht ) , 05.07.2010 06:40

Das schärfste Rauchverbot in Deutschland kommt: 61 Prozent der bayerischen Wähler stimmten für das Erlöschen der Kippen in jeder noch so kleinen Kneipe.




Es soll ein Volksentscheid sein, der Schule macht: Bayerns Nichtraucher haben nach vierjährigem Hin und Her der Staatsregierung die Quittung für den Zick-Zack-Kurs der vergangenen Jahre erteilt und hoffen, dass weitere Bundesländer dem bayerischen Beispiel folgen. Eineinhalb Stunden nach Schließung der Wahllokale waren am Sonntagabend 70 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte ausgezählt – und fast überall lagen die Anhänger des vollständigen Rauchverbots weit vorn. Die Opposition deutet den Volksentscheid als schwere Niederlage des schwarz-gelben Regierungsbündnisses im Freistaat. Vom 1. August an gibt es keine Raucherräume mehr, und auch in der kleinsten Bierstube darf nicht mehr geraucht werden.

Schon bei der Auszählung des ersten Ergebnisses deutete sich ein triumphaler Sieg der Rauchgegner an: Im oberpfälzischen Kreis Weiden stimmten 63,2 Prozent für ein ausnahmsloses Verbot. „Ich werde anstoßen auf das Reinheitsgebot der bayerischen Wirtshausluft“, jubelte Sebastian Frankenberger, der Cheforganisator der Nichtraucher-Kampagne, bei der Wahlparty im Münchner Wirtshaus Stemmerhof.

Die FDP warnte am Abend vor Unfrieden in der Gesellschaft. „Ein totales Rauchverbot in der Gastronomie, die damit einsetzende Ausgrenzung der Gruppe der Raucher aus dem öffentlichen Raum birgt die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung“, erklärte Landtags-Fraktionschef Thomas Hacker. „Als gute Demokraten werden wir die Entscheidung selbstverständlich akzeptieren.“ Die FDP werde sich aber weiter „gegen einen Verbotsstaat stellen, für einen lebenswerten und toleranten Freistaat Bayern“, erklärte Hacker in seiner Pressemitteilung.

Offen ist aber, inwieweit dieser Sieg die Meinung der bayerischen Bevölkerungsmehrheit widerspiegelt. Die Wahlbeteiligung war mit gut einem Drittel niedrig. Offensichtlich gelang es den Initiatoren des Volksentscheids weit besser, ihre Unterstützer zu mobilisieren als der überwiegend von Tabakindustrie und Gastronomie finanzierten Gegenkampagne „Bayern sagt nein“. Es ist auch ein Sieg Davids gegen Goliath: Die Nichtraucher hatten einen Wahlkampf-Etat von etwa 70.000 Euro, die Raucher dank Industrie- und Verbandsspenden mit über 600.000 Euro fast das Zehnfache.

Die CSU und ihr Chef Horst Seehofer rühmen sich gerne der Kontinuität ihrer Politik. Die Geschichte des Rauchverbots ist das beste Beispiel, dass das christsoziale Selbstlob nicht ganz mit der Realität übereinstimmt. „Liebe Staatsregierung, lieber Herr Seehofer: Vielleicht sollten Sie öfter einmal das Volk entscheiden lassen. Wenn Sie einmal ein gutes Gesetz gemacht haben, stehen Sie dazu“, spottete Ober-Nichtraucher Sebastian Frankenberger.

Denn in Bayern tritt nun innerhalb von gut zweieinhalb Jahren die mittlerweile dritte Gesetzesfassung des Rauchverbots in Kraft. Der Volksentscheid schließt einen Kreis: Die Ursprungsfassung des bayerischen Rauchverbots trat am 1. Januar 2008 in Kraft und verbot das Rauchen überall in Bayerns Wirtshäusern – ließ aber ein Schlupfloch für geschlossene Gesellschaften. Landesweit erklärten sich daraufhin tausende von Wirtshäusern zu „Raucherclubs“.

Danach kamen die schweren CSU-Verluste bei Kommunal- und Landtagswahl – und die traumatisierte CSU beschloss mit dem ungeliebten Koalitionspartner FDP die Lockerung. Seit vergangenem Sommer war das Rauchen in Bierstuben, Festzelten und Nebenräumen größerer Wirtshäuser wieder erlaubt. Die Aufweichung des Rauchverbots war die Initialzündung für die Rauchgegner, die zuerst ein Volksbegehren und nun auch den Volksentscheid gewannen. Nun wird wieder das strenge Rauchverbot eingeführt – ohne Ausnahme für Raucherclubs.

Doch offen ist, ob das Gesetz die endgültige Befriedung bringt - Wirte, Raucher und ihre Untertstützung warnen vor andauerndem gesellschaftlichem Unfrieden. „Ein totales Rauchverbot in der Gastronomie, die damit einsetzende Ausgrenzung der Gruppe der Raucher aus dem öffentlichen Raum birgt jedoch die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung, die wir mit unserem Änderungsgesetz im vergangenen Jahr zu verhindern versucht haben“, sagt FDP- Landtagsfraktionschef Thomas Hacker.

Offen ist aber auch, ob das weiß-blaue Qualmverbot nicht wieder nur auf (Zigaretten)-Papier stehen wird und sich quasi in Rauch auflösen wird: Denn viele bayerische Kommunen haben nie auch nur die leiseste Anstrengung unternommen, schon die bisherigen, weniger strengen Varianten des Rauchverbots durchzusetzen.
mehr ......

toby

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#2 von Jogi ( gelöscht ) , 05.07.2010 08:53

Moin Forum,

ich sage zu diesem Thema nichts mehr

Dann bin ich mal gespannt, wie die Bayern das auf dem Oktoberfest machen werden. Wer Verbote einführt, muss sie auch durchsetzen (können). Wenn sie es schaffen, dann Respekt. Falls nein, dann übliches Gelächter im weiten Rund und die Diskussionen sehe ich schon jetzt vor mir: "Warum sind die Wiesn eine Ausnahme?" Weil dort Geld verdient wird?

Noch haben wir in Rlp. die Regelung, dass in Nebenräumen geraucht werden darf. Ein Kompromiss, mit dem die Gesellschaft bei uns offensichtlich ganz gut leben kann und der ja auch gegenseitige Rücksichtnahme erfordert und funktioniert.

Ich glaube, dass nur die Amis noch bescheuerter sind und wir affen jetzt auch das nach (s. Bayern). Egal, ist mir wurscht. Ich muss mein Geld nicht in Lokale tragen. Vor allen Dingen nicht in die, vor denen die Menschen auf der Gasse stehen, laut miteinander redend die Kippen auf die Gehwege werfen, noch dazu ein schauderhaftes Bild abgeben, während der Gastraum etwas leer wirkt. Vielleicht sollte man noch anregen, dass diese Gäste zukünftig auch nicht ihre halb gefüllten Gläser mit raus nehmen dürfen oder aber man zwingt die Wirte bei der zuständigen Verwaltung eine Freischankfläche zu beantragen. Das würde unserer deutschen Regelungswut doch entgegen kommen und wieder etwas Geld in die Gemeindekasse bringen. Und btw.: Unsere Jugendlichen haben wirklich prima Anschauungsmaterial und genügend Animation zum Rauchen, und das alles umsonst, ohne dass sie selbst eine Gastwirtschaft betreten müssen.

Dieser Volksentscheid war für mich so über wie ein oberbayerischer Weiberkropf!

Viele Grüße,
Jogi

Jogi
zuletzt bearbeitet 05.07.2010 09:02 | Top

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#3 von wolf2 ( gelöscht ) , 05.07.2010 11:02

Hallo Jogi,
recht hast du, dass du nichts zu dem Thema sagst.

Wenn fast 60% der bayrischen Raucher nicht zur Abstimmung gehen, oder gar für eine Verschärfung stimmen ist doch alles gesagt!

wolf2

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#4 von Arno , 06.07.2010 19:56

Zitat von wolf2
Wenn fast 60% der bayrischen Raucher nicht zur Abstimmung gehen, oder gar für eine Verschärfung stimmen ist doch alles gesagt!



So isses leider... ...da kann man jetzt in den Münchener Kneipen endlich sein Bier ohne Rauch genießen - aber ohne mich...

Deppen...


Gruss Arno



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RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#5 von toby ( gelöscht ) , 06.07.2010 20:11

Aber wenn das Oktoberfest ist soll das Gesetz für die 2 Wochen aufgehoben werden...komisch warum nur?

toby

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#6 von Arno , 06.07.2010 20:17

Wäre konsequent inkonsequent... ...eben bayerisch.


Gruss Arno



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RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#7 von PL ( gelöscht ) , 06.07.2010 21:19

Die Sachsen sehen keinen Handlungsbedarf

PL

PL

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#8 von B.W. ( gelöscht ) , 06.07.2010 22:16

Zitat von toby
Aber wenn das Oktoberfest ist, soll das Gesetz für die 2 Wochen aufgehoben werden...komisch warum nur?


Ich zweifle nicht an dieser Information, kannte sie nur noch nicht.
Fände ich seltsam (selbst in Bayern), wenn ein Gesetz für kurze Zeit nicht mehr gültig sein sollte.
Wie auch immer: Wir Raucher (besonders diejenigen von Zigaretten, Zigarillos und Zigarren; wir Pfeifenraucher stellen ohnehin eine Randgruppe dar) haben es uns selbst zuzuschreiben, wenn das Pendel nun gegen uns ausschlägt. Was habe ich schon an Rauchern erlebt, welche zur Mittagszeit zwischen Vorspeise und Hauptgang unbedingt noch etwas rauchen mussten - wir am Nebentisch mit dem Hauptgang beschäftigt, wurden so eingenebelt. Macht auch mir als Raucher keinen Spass, kann die Nichtraucher verstehen. Die Militanten unter ihnen sind freilich ein Übel; sterben aber auch nicht später als wir Raucher. Brauchen wir nur zu warten, bis sich das Pendel wieder umgekehrt bewegt. Und uns nicht als Raucher, sondern als emphatisch empfindende Menschen verhalten. Dann wird schon alles gut.

B.W.

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#9 von PL ( gelöscht ) , 06.07.2010 22:31

Aus Österreichische Nachrichten
http://www.ooegeschichte.at/Rauchverbote.1271.0.html

Rauchverbote sind so alt wie das Rauchen selber. Und immer waren solche Verbote mit einem bemerkenswerten Schuss Unlogik und Heuchelei versehen. Die Politik bekämpft das Rauchen und regt sich gleichzeitig über den Verlust von einigen hundert Arbeitsplätzen in der Tabakindustrie auf. Und sie bekämpft es und öffnet gleichzeitig die Grenzen, damit mehr und billigere Zigaretten hereingebracht werden können.


Quelle/Rechte: Wikipedia - GNU Free Documentation License
Als das Rauchen im 17. Jahrhundert aufkam, wurde es sofort verboten. Nicht immer mit logischen Argumenten. 1644, und das ist der älteste bisher bekannte Beleg für Rauchen in Österreich, erließ das Schlägler Stiftskapitel ein strenges Verbot. Zahlreiche weitere Verbote folgten. Der Brand der Wiener Hofburg im Jahre 1668, der auf Rauchen zurückgeführt wurde, soll den Kaiser ungeheuer erzürnt haben. Das „Tabak- trinken“, wie man das vorher gänzlich unbekannte Rauchen damals nannte, wurde streng untersagt. In Haslach wurde dies offensichtlich gründlich missverstanden. Man publizierte 1671 zwar das Verbot des „Tabaktrinkens“ in einer Instruktion für den Marktrichter, aber mit der etwas eigenartigen Begründung, dass es in der Region ohnehin genug frisches Brunnenwasser gebe, vor allem „für die Weiber“, wie man hinzufügte.

Man ging aber schon um 1670 dazu über, das Rauchen, statt es zu verbieten, zu einer bevorzugten Quelle der Staatseinnahmen zu machen. Dennoch erließ man immer wieder Rauchverbote auf Straßen; Marktplätzen und in Parkanlagen, einerseits aus feuerpolizeilichen Motiven, andererseits aus Sorge um die öffentliche Sittsamkeit. In Linz war das Rauchen auf der Promenade und auf den Marktplätzen untersagt. Rauchen in der Öffentlichkeit wurde bis zum Jahr 1848 mit Gefängnis oder Stockschlägen bestraft. In einem einzigen Monat, zum Beispiel im März 1816, wurden in Linz sechzehn Gefängnisstrafen wegen Rauchens im Freien verhängt. Gesundheitliche Aspekte hingegen spielten bis ins frühe 20. Jahrhundert kaum eine Rolle. Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich eine sehr kämpferische Antinikotinbewegung. Aber auch sie argumentierte vorerst nicht medizinisch, sondern entweder rassisch („Der deutsche Mann und insbesondere die deutsche Frau raucht nicht!“) oder wirtschaftlich im Sinne einer unnützen Geldvergeudung. Hitler war aus solchen Gründen vehementer Nichtraucher. Ernsthafte medizinische Gründe tauchten erst nach dem Ersten Weltkrieg auf. Immer mehr erkannte man, dass das Rauchen nicht nur die Gesundheit gefährdet, sondern damit der öffentlichen Hand viel mehr Kosten verursacht, als es Einnahmen bringt.

Aber immer wieder wurden die Verbote gekippt - auch hier arbeitet die Zeit für den Tabak (PL)

PL

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#10 von Arno , 06.07.2010 23:27

Sorry,

aber mich können alle Rauchverbote und ihre Begründungen mal am Arsch lecken....


Gruss Arno



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RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#11 von B.W. ( gelöscht ) , 08.07.2010 20:33

Zitat von Arno
Sorry,

aber mich können alle Rauchverbote und ihre Begründungen mal am Arsch lecken....



Aber hoffentlich nicht die Demokratie.

"Die Wahlbeteiligung betrug jetzt allerdings nur 37,7 Prozent."
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...,704631,00.html

Zur Demokratie gehört, dass sich die Wahlberechtigten zu Worte melden. Wo blieben die Raucher? Weshalb stimmten sie nicht ab? Kann mir doch keiner erzählen, dass sich bei einer Wahlbeteiligung von mindestens 50 Prozent, lieber >70 % kein anderes Ergebnis gezeigt hätte. Haben sich die Bayern selber zuzuschreiben; mal sehen, ob in den weiteren Bundesländern mehr Engagement möglich ist.

B.W.

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#12 von toby ( gelöscht ) , 08.07.2010 20:45

toby

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#13 von toby ( gelöscht ) , 10.07.2010 00:37

toby

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#14 von toby ( gelöscht ) , 10.07.2010 00:39

toby

RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#15 von Arno , 10.07.2010 23:00

Was Jogi, der Unpolitische zum Rauchverbot ausführt ist schon auf yt von mir unterschrieben.

Mich hat in erster Linie seine Euphorie über den Tabak gefreut. Da strahlt sein Bubenauge aber sowas von...


Gruss Arno



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RE: Bayern entscheidet sich für ein striktes Rauchverbot

#16 von Clooney ( gelöscht ) , 11.07.2010 01:49

Wer Lust hat, liest meinen Beitrag auf http://kontextredaktionsbuero.twoday.net...s/rauchzeichen/

Clooney
zuletzt bearbeitet 11.07.2010 01:50 | Top

   

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