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3. Oktober - Der Tag der Einheit
Ich gratuliere allen, diese historische Zeit und diesen einzigartigen diesen Tag der deutschen Geschichte erleben zu dürfen. Die kleinen Wehwehchen und Ungereimtheiten am Rande sind völlig unwesentlich hinsichtlich dieses großartigen Ereignisses im Leben der Deutschen und - seit 65 Jahren gibt es Frieden in Mitteleuropa/ davon dürfte ich jeden Tag seit meiner Geburt 1945 erleben- was will man mehr.
Peter Lehmann
Moin Peter,
das Datum ansich ist für mich ohne Bedeutung, es erinnert mich aber immer an diesen Moment, in dem Genschman auf dem Balkon stand... ...und dann unter dem Jubel seinen Satz nicht mehr zuende sprechen konnte...
Sehe ich das heute wieder im Fernsehen, wird mir wohl wieder ein Auge feucht...
Gruss Arno 



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Geht mir genauso, wo ich jung war, war es normal,
dass da Menschen sind, die von einer Mauer engesperrt sind und man hat sich nicht allzuviele Gedanken gemacht,
obwohl ich sogar schon seit 24 Jahren eine Brieffreundin aus Reichenbach habe.
Aber wenn ich die Freude und Erleichterung in den Augen der Menschen sehen, als die Grenzen geöffnet werden,
dann habe auch ich immer feuchte Augen....und jetzt gerade im Moment, wo ich die Bilder vor dem inneren Auge sehe ,
auch schon.
Wünsche euch allen einen schönen Sonntag.
Liebe Grüße, der liebe Wil
eigentlich eine gute Rede - nur schade, dass sie , getreu nach Adenauers " Was kümmert mich mein Geschwätz von Gestern" morgen schon vergessen sein wird
PL
Für mich als Ex-Ossi interessiert der 3. Oktober nicht, sondern der Tag des Mauerfalls. Hätten meine Familie und ich vor über 32 Jahren geahnt, das die Mauer je fallen würde, hätten wir uns den Strapazen von Stasi und Co nicht hingegeben. Dennoch ein Kampf der sich anfangs lohnte, inzwischen fühle ich mich "hier" politisch schon wieder fast wieder, wie in der damaligen DDR. Nur die Namen habe sich geändert und vieles unter dem großen Deckmantel der "Demokratie".
NEIN - ich bereue die Einheit nicht!
JA - ich finde, das durch den Wegfall des "Ostens" die Politiker mit uns noch mehr machen als vorher! Leider nicht im positiven Sinne! Der "Klassenfeind" ist weg, nicht NUR im Osten!
Mauern trennen Menschen! Wie man am Beispiel der EX-DDR sieht, lohnt es sich so ab und an, doch mit der Herde zu ziehen. Man sieht viele "Ärsche", wenn man nur darauf achten mag, aber der Weg hat sich gelohnt! Wer mag diesen Weg allein beschritten haben und dann jubeln? KEINER!!!
Zum feierlichen Gedenken rauche ich heute F6. Die endlich wieder original von der Dresdner Tabakwarenfabrik hergestellt wird und nicht mehr unter der Herrschaft von P. Morris (was echt nicht schmeckte).
In diesem Sinne: Auf die Einheit und jene die es ehrlich meinen!
Zitat von Lutheraner1966
...Zum feierlichen Gedenken rauche ich heute F6. Die endlich wieder original von der Dresdner Tabakwarenfabrik hergestellt wird und nicht mehr unter der Herrschaft von P. Morris (was echt nicht schmeckte).
Och ja, der Schuss ist an mir vorbeigegangen, ich hab nur vor kurzem mal einige geraucht und dachte mir, die schmeckt... wie früher?
Gruss Arno 



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Zitat von Arno
Och ja, der Schuss ist an mir vorbeigegangen, ich hab nur vor kurzem mal einige geraucht und dachte mir, die schmeckt... wie früher?
Ja mein Lieber, inzwischen wieder. <noch vor einem Jahr war es grauenvoll!
Zitat
Zum feierlichen Gedenken rauche ich heute F6. Die endlich wieder original von der Dresdner Tabakwarenfabrik hergestellt wird und nicht mehr unter der Herrschaft von P. Morris (was echt nicht schmeckte).
Es freut mich echt für jede Firma, die es geschafft hat, sich wieder zu gründen. Gab es eigentlich Betriebe, die die Wende ohne Schließung und Entlassungen überlebt haben? Also zumindest in unserer Gegend gab es plötzlich keine produzierenden Betriebe mehr. Auch mein ehemaliger Arbeitgeber, der FDGB Feriendienst, wurde "abgewickelt". Es tut weh, die teilweise Ruinen der ehemaligen Ferienheime zu sehen.
Es war vieles nicht i. O. in der ehemaligen DDR, aber auch nicht alles schlecht. Schön fand ich damals, dass die Menschen alle rebelliert haben, weil das Sandmännchen abgeschafft wurde. Es war besser als das andere Sandmännchen, aber es wurde abgeschafft, weil es aus dem Osten kam.
Die Ostmusiker hatten alle sehr flaue Jahre nach der Wende. Keiner wollte sie mehr hören. Umso schöner ist es, dass die wirkliche Guten sich heute in der gesamten Bundesrepublik durchgesetzt haben.
Gestern habe ich im Radio gehört, dass die Marke "Rotkäppchensekt" mittlerweile Marktführer geworden ist.
Zur Wende selber habe ich noch die Worte von unserem damaligen BGL-Vorsitzenden im Kopf. Das war übrigens der Einzige, vor dem ich meine Achtung bewahrt habe, weil er kein Wendehals war. Er sagte damals zu mir, dass der Grundgedanke des Sozialismus nach Marx schon sehr gut wäre, aber wie man sieht, in der Realität keinen Bestand hat.
Meine Meinung ist, er hatte Recht. Marx war ein Sozialtheoretiker, der für alle ein gleich gerechtes Leben wollte. Irgendwann sollten auch Regierungen überflüssig sein. Sie sollten bis dahin nur dazu dienen, die erwirtschafteten Güter gerecht unter den Menschen zu verteilen.
Wenn die ganze Welt so denken würde, wäre es vielleicht machbar gewesen. Wenn z.B. auch Bodenschätze sorgsam und gerecht verteilt werden würden. Im Grunde gehören diese Bodenschätze ja auch der Erde und keinem Scheich.
Nur so ein kleines Land wie die DDR war auf den großen Bruder angewiesen, es brauchte auch dringendst Devisen. Die Ostmark wollten die Ölriesen bestimmt nicht sehen.
Das führte dann zur Mangelwirtschaft, es gab kaum Waren für die eigene Bevölkerung zu kaufen. Und wenn man Westjeans produziert, aber selber keine kaufen darf, das ist dann auch nicht mehr sozial.
Ich merke gerade, dass ich irgendwie vom Thema in die Vergangenheit abgetriftet bin. Hinzufügen möchte ich aber noch, dass ich niemals eine rote Socke gewesen bin. Ich habe eben nur die Achtung vor den Menschen verloren, die niemals eine rote Gesinnung hatten, sich aber dadurch bessere Posten verschafft haben und dafür sogar vielleicht Menschen in die Pfanne gehauen haben. Und dann waren es die ersten, die sich ihr Begrüßungsgeld geholt haben.
Wir durften damals nicht zugeben, dass wir zur Kirche gehen. Und ich bin sehr gern und regelmäßig zu meiner Katechetin gegangen; auch heute noch haben wir einen super Kontakt. Mein später bester Freund war ein Pfarrersohn, damit standen wir sowieso unter "besonderer Überwachung" (wir haben es nur nie gemerkt). Seine Eltern hatten nicht Unrecht, dass sie uns als Jugendliche nur den Dachboden überließen. Später stellte sich raus, dass das ganze Pfarrhaus verwanzt gewesen ist. Und heute gehen die zur Kirche, die damals das Parteiabzeichen getragen haben und uns als Kinder das verbieten wollten.
Ich bin jedenfalls auch froh, dass Deutschland wieder eins ist. Es war früher ein Deutschland und es musste wieder eins werden. Überhaupt gehört eine Mauer niemals um ein Land. Wir sind alles nur Menschen auf einem Planet. Auch wenn das mit dem Sozialen nicht so funktioniert, aber getrennt darf keiner werden.
Außerdem könnte ich mich jetzt nicht mit euch schreiben, wenn die Mauer noch stehen würde. Im Osten gäbe es mit Sicherheit kein Internet, höchstens "Ostnet". 
In den meisten Köpfen gibt es glaube ich auch schon lange kein Ost/West mehr, ich hoffe es jedenfalls.
Thomas, ihr seid also schon lange vor der Wende ausgewandert. Mich würde interessieren, wie das abgelaufen ist. Hattet ihr dolle Probleme? Musstet ihr lange warten? Hier gab es ja einige, die ein paar Jahre auf glühenden Kohlen warten mussten, denn wenn der Startschuss kam, mussten sie innerhalb von (ich glaube) 24 Stunden das Land verlassen. Von den illegalen Auswanderern, die sich dann im Stasi-Gefängnis wiedergefunden haben, ganz zu schweigen.
Liebe Grüße
Elke
Ich bin jedenfalls froh, dass ich derzeit wieder in meinem Erfurt bin und nicht in meine Geburtsstadt (Rheydt, jetzt Mönchengladbach) zurück muss.
Als ich 1993 in die Nähe von Erfurt gezogen bin, fragte mich eine Bekannte, die in Sömmerda lebte allen Ernstes: "Hast Du denn Deinen "Zuzug" schon?" Als dann alle lachten und feichsten war sie endlich auch im Westen angekommen. Damals gabs so Klopper fast täglich. Auch bei mir an der Arbeit. Das war vielleicht die beste Zeit in meinem Leben. (Bis ich dann später mal Vater werden durfte....)
Gruss Arno 



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Vielleicht noch ein Satz im Nachhinein dazu:
Der 3. Oktober ist für uns Ossis eigentlich nicht der Schlüsseltag der Einheit. Dieser Tag (Datum) kam nicht aus uns heraus- er wurde am Schreibtisch von Politikern ausgeheckt. Die wirklichen Tage, die Grund zum Feiern geben, sind wohl eher der 9. Oktober http://de.wikipedia.org/wiki/Montagsdemo...1990_in_der_DDR (hier waren auch wir, meine Frau und ich, zum ersten Mal zur Montags-Demonstration (obwohl es am 7.10. viel Haue von den Sicherheitskräften für uns gab )- und dann der 9. November. Wir fühlen uns damit ein wenig hintergangen und zur Seite gedrängt. So kann ich auch ein wenig nachvollziehen, weshalb gestern hier in Leipzig hinsichtlich "Tag der Einheit" nahezu nichts zu bemerken war.
Chefkommentator T Mayer der LVZ dazu:
Standpunkt
Leipzig und der 3. Oktober
Von Thomas Mayer
Sonne pur - was für Tag. So war das auch vor 20 Jahren. Damals feierte Leipzig die Wiedervereinigung. 20 Jahre später erscheint dieses Ereignis zumindest in dieser Stadt in einem eher diffusen Licht. Kein politisches Signal seitens der Stadt, auch keinerlei Schmuck in den Straßen.
Stimmt es also doch, dass nach 20 Jahren die Vergangenheit schon Geschichte geworden ist? Oder unterstreicht Leipzig mit seinem offensichtlichen Desinteresse am Tag der Einheit nur seine Meinung, dass in Wirklichkeit der 9. Oktober, als mit der gewaltfreien Montagsdemo auch das erste Signal für die Wiedervereinigung gegeben wurde, der wirkliche deutsche Feiertag sein muss?
Obwohl viel gefordert und wohl auch kommenden Sonnabend wieder mit viel Herz gefeiert, wird Leipzigs Feiertag kaum Deutschlands Feiertag werden. Das sollte man ins Kalkül ziehen, weil man eben auch ein Einheits- und Freiheitsdenkmal haben will. Mehr Einheitsfreude täte also ganz gut.
@th.mayer@lvz.de
Zitat von Elke
Thomas, ihr seid also schon lange vor der Wende ausgewandert. Mich würde interessieren, wie das abgelaufen ist. Hattet ihr dolle Probleme? Musstet ihr lange warten? Hier gab es ja einige, die ein paar Jahre auf glühenden Kohlen warten mussten, denn wenn der Startschuss kam, mussten sie innerhalb von (ich glaube) 24 Stunden das Land verlassen. Von den illegalen Auswanderern, die sich dann im Stasi-Gefängnis wiedergefunden haben, ganz zu schweigen.
Dem kann geholfen werden Elke:
Nun man stellt einen offiziellen Ausreiseantrag mit dem Verweis auf die Menschenrechte usw... Was natürlich ungern gesehen wurde. Zur Sicherheit hatten wir Helfer, welche Kopien des Schriftverkehrs in den "Westen" brachten. Wie auch immer, es war deren Geheimnis, hat aber funktioniert. 
Der Spießrutenlauf dauerte fast 7 Jahre. Ich war ja noch Schulkind und spürte da ganz stark was ich plötzlich für ein Staatsverräter sei. Auch mit den "Organen" gab es immer mal wieder Ärger.
Am AUsreisetag selbst ging es sehr schnell: Mittags bekamen wir die Papiere also wurden in dem Moment Staatenlos erklärt und mussten das Land bis 0:00 Uhr verlassen haben.
Gelungen ist dies aber alles nur, da ein bekannter Anwalt damals von Westseite nachhakte und die Organe uns somit nicht so einfach trennen konnten. Ist ja oft passiert das den Ausreisewilligen die Kinder weggenommen wurden.
Ein komplexes Thema, und ich bin gerade zu müde, mich in sämtlichen Details auszulassen. Deshalb nur ein paar Punkte meinerseits:
1. Ich trenne immernoch Ossi und Wessi. Warum? Weil ich (als Wessi) merke, dass mir vieles an der "Ost-Mentalität" viel näher ist, als das was die modernen Zeiten ausmacht. Die Menschen sind herzlicher, die Frauen hübscher und charmanter, alle irgendwie authentischer, bodenständiger, klassisch gebildet, warm. Ihr kennt mich ja als kritischen Analytiker, deshalb muss betont werden, dass es natürlich auch da nur um ein Pauschalurteil geht. Aber die Menschen aus dem Osten, die ich kenne, bestätigen meinen Eindruck.
2. Ich bin immernoch gerührt und die Tränen fließen, wenn ich die Bilder von '89 sehe (und damit gebe ich Peter Recht: Der 9. November ist DAS Datum, und nicht der formale 3. Oktober). Warum? Weil es für mich, ohne jeden historischen, nationalen Dünkel ein Erlebnis war, das zu tiefst menschliche Dimensionen hatte. Die Freude auf allen Seiten, die Emotionen, auch die damalige Ehrlichkeit zeugte für mich von dem wahrhaft Guten im Menschen. Leider sind viele nicht in der Lage, so etwas als Wert an sich zu erkennen und daraus zu lernen.
3. Zu Kohl und Konsorten möchte ich mich nicht weiter äußern. Nur soviel: Er war der Kanzler, dem die Bewegung in der DDR in die Hände gespielt hat. Er war genauso überrascht, wie alle anderen. Nur seine absolutistische, arrogante Hau-Drauf-Mentalität hat zu der schnellen Einheit geführt, der er sich jetzt selbstgefällig rühmt. Ein bisschen erinnert mich das an den Fußballverein, der zwar beschissen spielt, aber eben das entscheidene Tor schießt. Da kann die taktisch klug aufgestellte Mannschaft noch so einen vernünftigen Fußball spielen: Der, der das Tor macht, gewinnt.
Kohl in Moskau, Gorbi sagt (im Gegensatz zu den westlichen Partnern und unter der gefahr des Putsches): Die beiden deutschen Staaten sollen entscheiden, was wird. Kohl sagt in der PK: Der Generalsekretär und ICH sind übereingekommen, dass die Wiedervereinigung kommt. Was für ein gefälliges ......
Mit welcher Inbrunst haben Lothar De Maizaire, Meckel, Eppelmann und alle anderen mit klugem Enthusiasmus den politischen Alltag geregelt. Der Dicke kam und versprach "blühende Landschaften". Populismus par exelance - und nur zu seinem Prestige.
4. Die Ossis wurden mächtig abgezogen. Von der Treuhand wurden 600 Milliarden Wert in den Ring geworfen. Übrig blieben 250 Milliarden Minus. Weil widerliche Rabauken ihr schnelles Geschäft gemacht, Betriebe und Liegenschaften abgewickelt und sich persönlich bereichert haben. Da schämt man sich, Wessi zu sein.
5. Bleibt eigentlich nur die Erkenntnis: Es gibt keine Wessis und Ossis - nur Arschlöcher und kluge, herzenswarme Menschen.
Stefan
Klasse Beitrag Stefan, du sprichst mir wie immer in deinen Beiträgen aus dem Herzen.
Mit dem 9. November bin ich ganz eurer Meinung. Das war der Tag der unglaublichen Emotionen. Wildfremde Menschen haben sich in den Armen gelegen, haben miteinander gefeiert. Das sind die Bilder, die man nie vergisst.
Zitat
3. Zu Kohl und Konsorten möchte ich mich nicht weiter äußern. Nur soviel: Er war der Kanzler, dem die Bewegung in der DDR in die Hände gespielt hat. Er war genauso überrascht, wie alle anderen. Nur seine absolutistische, arrogante Hau-Drauf-Mentalität hat zu der schnellen Einheit geführt, der er sich jetzt selbstgefällig rühmt. Ein bisschen erinnert mich das an den Fußballverein, der zwar beschissen spielt, aber eben das entscheidene Tor schießt. Da kann die taktisch klug aufgestellte Mannschaft noch so einen vernünftigen Fußball spielen: Der, der das Tor macht, gewinnt.
Kohl in Moskau, Gorbi sagt (im Gegensatz zu den westlichen Partnern und unter der gefahr des Putsches): Die beiden deutschen Staaten sollen entscheiden, was wird. Kohl sagt in der PK: Der Generalsekretär und ICH sind übereingekommen, dass die Wiedervereinigung kommt. Was für ein gefälliges ......
Genauso ist es. Die Wiedervereinigung wurde Herrn Kohl damals in die Hände gespielt. Hätten die Russen nicht gewollt, hätte es wahrscheinlich auch nie die Montags-Demos gegeben. Die Armeen hätten die Demos aber in minutenschnelle zerstört. Der wichtigste Mensch der Wiedervereinigung war wohl Gorbi. Sicherlich spielten auch noch andere politische Hintergründe eine Rolle.
Zitat
4. Die Ossis wurden mächtig abgezogen. Von der Treuhand wurden 600 Milliarden Wert in den Ring geworfen. Übrig blieben 250 Milliarden Minus. Weil widerliche Rabauken ihr schnelles Geschäft gemacht, Betriebe und Liegenschaften abgewickelt und sich persönlich bereichert haben. Da schämt man sich, Wessi zu sein.
Den damals größten Arbeitgeber (Eisen- und Hüttenwerke Thale) vor Ort hat zur Wende der damalige niedersächsische Ministerpräsident Albrecht für die obligatorische 1 DM übernommen. Er ist übrigens der Vater unserer Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Alle haben sich gefreut, dass wenigstens dieser Betrieb eine Überlebenschance hat. Aber Pustekuchen, nur ein winziger Betriebsteil hat überlebt. Das restliche riesengroße Gelände wurde sicher gewinnbringend verkauft. Das weiß ich aber nicht, ist nur eine Vermutung.
@ Thomas: Da musstet ihr ja ganz schön lange warten, 7 Jahre sind schon eine Unverschämtheit. Man hat eben mit allen Mitteln versucht die Leute zu halten und nicht wenige haben sicher in der Zeit die Nerven verloren und den Ausreiseantrag zurück gezogen.
Ja, die Hilfe für Ausreisewillige lief viel über die Kirche. Deswegen waren Pfarrämter ja besonders überwacht. Andere Kontaktaufnahmen mit dem Westen waren auch schlecht möglich, in den Telefonleitungen war man nie allein und ein Briefgeheimnis gab es nicht.
Lief es bei euch auch über die Kirche?
Dass Ausreisewilligen die Kinder weggenommen wurden, kenne ich hier eigentlich nicht. Aber gut, ich habe auch nur das Ende der 80-er Jahr bewusst wahrgenommen, als Kind hat einen das alles noch nicht interessiert. Meine Schulfreundin durfte sogar noch hier ihr Abitur machen, obwohl der Ausreiseantrag ihrer Eltern lief.
Die Tante einer Freundin wollte damals mit ihrer Familie illegal über Ungarn abhauen. Es fiel auf, weil sie sich ihre Geburtsurkunden auf den Rücken geklebt haben. Der Mann und die Frau kamen für 1 Jahr ins Gefängnis. Der kleine Sohn hat während dieser Zeit bei meiner Freundin gelebt. Am Entlassungstag mussten sie sofort das Land verlassen, konnten aber den Sohn mitnehmen.
Liebe Grüße
Elke
@ Elke:
Nein, bei uns war dir Kirche nicht im Spiel. Ich selbst war damals nicht mal getauft.
Dies habe ich erst letztes Jahr vollzogen, was auch Vorteile hat. Wer kann schon so lange für sich selbst suchen und enzscheiden, welche Religion zu einen passt.
Aber! - vom Grundgedanken her, war ich irgendwie schon immer ein Christ. Nur war ich mir dessen nicht bewusst, da ich die Bibel zwar gelesen hatte, aber nicht verstand. Irgendwann habe ich mich dann innerlich geöffnet und auch den Inhalt der Buches verstanden. Das Wichtigste ist ja das man die Bücher versteht und nicht nur liest. 
Zitat von Elke
Den damals größten Arbeitgeber (Eisen- und Hüttenwerke Thale) vor Ort hat zur Wende der damalige niedersächsische Ministerpräsident Albrecht für die obligatorische 1 DM übernommen. Er ist übrigens der Vater unserer Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Alle haben sich gefreut, dass wenigstens dieser Betrieb eine Überlebenschance hat. Aber Pustekuchen, nur ein winziger Betriebsteil hat überlebt.
Liebe Grüße
Elke
Liebe Elke
Kam zwar nicht wegen dieses Themas in das STP-Forum, finde es aber spannend und gut formuliert, was Du, Stefan und alle anderen dazu mitzuteilen habt. Solche Erfahrungen und Informationen sind es, die in der veröffentlichen Meinung (vulgo: Presse) keinen Platz finden. Mir helfen sie aber, diese Zeit des Übergangs besser zu begreifen.
Kann meinem Vater nicht genug danken, dass er um 1956 herum von Ost- nach Westberlin zog - da bedeutete es 'nur' die Aufgabe des Grundbesitzes - und die Familie 1962 in die Schweiz verfrachtete. In Berlin war es zur Zeit des kalten Krieges mit den 'versehentlichen' Sturzangriffen der russischen Flugzeuge kaum auszuhalten.
Was 1989 und anschliessend konkret vor sich ging, aus Sicht und Erlebnis von 'Otto-Normalverbraucher', das erfahre ich nun ansatzweise hier. Ersetzt mir die nicht geführten Gespräche mit Verwandten, die wegen der Entfernung nicht möglich waren.
Also herzlichen Dank für alle Beiträge und mein Kompliment an das hohe Niveau derer.
Schöne Grüsse
Bernd.
Hallo Thomas,
ich finde es gut, wenn einer zum Glauben gefunden hat, denn aus dem Glauben kann man auch viel Kraft schöpfen. Meine Katechetin z. B. hat schon einige harte Schicksalsschläge hinter sich. Sie sieht diese Schicksalsschläge alle aus den Augen des Glaubens, ich bewundere sie dafür.
Ich selber bin nicht wirklich gläubig, aber ich habe einen guten Kontakt zur Katechetin und einen besseren Pfarrer als wir, kann man auch nicht haben. Ist ein ganz lieber Mensch. Aber als Kind hat es mir doch einige Male geholfen „zu glauben“. So z. B. hat mir meine Katechetin gesagt, wenn ich mal Probleme haben sollte, dann soll ich einfach zu Gott sprechen, er wird mich hören und mir helfen. Ich war Kind und habe darauf vertraut. Als ich mal eine 5 in der Schule bekommen habe, hatte ich Angst nach Hause zu gehen. Auf dem Nachhauseweg habe ich mich heimlich in eine Ecke gestellt und gebetet, dass meine Eltern mich doch bitte nicht ausschimpfen sollen. Mir als Kind wurde unheimlich viel Angst dadurch genommen, schon allein deswegen kann ein Glauben sehr hilfreich sein. Jedenfalls habe ich auch keinen Ärger von meinen Eltern bekommen.
Hallo Bernd,
ja, ich finde solche Gespräche auch sehr interessant. Von der Presse wurde und wird ja vieles gern „verfälscht“. Von den Geschichtsbüchern ganz zu schweigen. Was wir damals in der Schule über die Weltkriege gelernt haben, war nicht das, was die Menschen erlebt haben und was sie erzählen konnten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Oma manchmal über die Russen geschimpft hat, was die im 2. Weltkrieg gemacht haben. Und sie bekam dann Schimpfe von meiner Mutti, weil sie mir das nicht erzählen sollte, weil wir in der Schule etwas anderes lernen.
Das mit den versehentlichen Sturzangriffen der russischen Flugzeuge wusste ich noch nicht. Aber es ist gut vorstellbar. Das geteilte Berlin und dass sich eine westliche Stadt mitten in der DDR befindet, war wohl dem ganzen Osten ein Dorn im Auge. Im Grunde waren die Westberliner doch auch eingesperrt? Sie konnten zwar durch die DDR reisen, aber auch nicht ohne lästige Grenzkontrollen.
Was ich immer so traurig fand, dass sich lange die Meinung über die „faulen Ossis“, die nur in ABM arbeiten oder die Arbeitsplätze im Westen weggenommen haben, gehalten hat. Es konnte kein Mensch etwas dafür, dass es hier plötzlich keine Arbeitsplätze mehr gegeben hat. Fast alle produzierenden Betriebe wurden geschlossen. Genau wie heute sich viele Arbeitslose in 1,00 Euro Jobs bald die Arme ausreißen, in der winzigen Hoffnung übernommen zu werden, so hatten diese Hoffnung damals die ABM-Kräfte. Wahrscheinlich liegt es an der Gesellschaft, dass immer Menschengruppen benötigt werden, die man gegeneinander ausspielen kann. Aber es ist falsch, wenn die kleinen Bürger sich bekriegen, die Fehler liegen ganz woanders.
Ich finde es toll, dass es gerade unter den Pfeifenrauchern (egal ob hier oder bei yt) viele Menschen gibt, die sich ihre eigenen Gedanken machen und tiefer in Geschehnisse reindenken. Das ist leider nicht überall der Fall. In einem anderen Forum wurde mir erst vor kurzem gesagt, die Ossis sollen erst mal den Soli zurückzahlen
, nur weil ich mich kritisch über das 3-gliedrige Schulsystem geäußert habe und es wohl nie verstehen werde, warum Kinder schon so frühzeitig aussortiert werden.
Deswegen finde ich es auch so schön, dass wir hier so friedlich miteinander schreiben können. Letztendlich erzählt doch jeder in Diskussionen nur über seine eigenen Erfahrungen und seine persönlichen Gedanken. Die müssen nicht immer richtig sein, aber solange wir uns noch eigene Gedanken machen können, sind wir noch gut.
Liebe Grüße
Elke
Am Abend des 3. Oktober kam wieder mal der Film Das Leben der Anderen . Ich sah ihn nun schon da 3. Mal an und finde ihn jedesmal ergreifender und besser. Was die Schauspieler und besonders dieser U. Mühe (aus unserer Gegend/ Grimma stammend) da geleistet haben, ist schon etwas besonderes. Gewiss hat nicht jeder die Stasi so erlebt oder etwas davon mitbekommen. Auch meine 13 Spitzel, die insgesamt 400 Seiten schrieben (ich habe mittlerweile die komplette Sammlung als Kopien zu meiner Erbauung
zuhause, waren gewiss nur kleine Lichter im Vergleich zu denen, die im Film gezeigt wurden. Aber der Film bestärkt mich in der Meinung, dass man es mit Menschen zu tun hat, die genau solche Höhen und Tiefen durchmachen, wie jeder Andere auch und zu Pauschalurteilen über diese Leute lasse ich mich deshalb nicht hinreißen. Persönlich habe ich von den 13 Leuten bisher 11 persönlich aufgesucht und Gespräche zu den Hintergründen geführt. Es waren die seltsamsten Beweggründe, die sie in die Netze der Stasi führten. Da ist z.B ein Tierarzt dabei, der betrunken einen Unfall verursachte und mit dem Verlust des Führerscheins nahezu arbeitsunfähig wurde. Er unterschrieb und durfte fahren. Oder ein Anderer, der seine Schwester in Amerika zu einem besonderen Ereignis besuchen durfte (das Ereignis/ Hochzeit war aber erlogen) Die Stasi bekam mit, dass der Reisegrund nicht stimmte und drohte bei seiner Wiedereinreise mit Haft. Er unterschrieb den IM- Vertrag ...usw usw.... Nicht, dass ich nun wieder ausgesöhnt wäre mit diesen Leuten- aber ich verstehe nun mehr.
Zu Elkes Beitrag: Ich finde diese Kleinstaaterei im deutschen Schulwesen einfach nur lächerlich und peinlich und das Machtbedürfnis der Länder in dieser Hinsicht nahezu widerlich.. Mir stehen die Unterarmhaare zu Berge, wenn ich nur daran denke.Die Ergebnisse der deutschen Schulpolitik bestätigen mir dieses Empfinden. Hier wäre es sinnvoll gewesen, das System aus der DDR bzgl der Organisation ohne Wenn und Aber und Abstriche zu übernehmen. (Wenn ich lese, mit welchen Eiertänzen und Windungen in den Erklärungen jetzt halbherzig Teile davon mit viel Geld und Mühe auf Kosten der Kinder eingeführt werden, wird mir übel)
Zum Glauben:
Wenn auch getauft, konfirmiert, relativ bibelfest und aus einer christlichen Umgebung ist die Glaubenskonkurrenz (und damit auch der Glaube ansich) neben der Gier für mich die Wurzel allen Übels in der Welt. Und nachdem ich das vor Jahren für mich erkannte, bin ich bekennender, aber auch mit einigen Einschränkungen toleranter Atheist geworden.
Zitat von PL
.... bin ich bekennender, aber auch mit einigen Einschränkungen toleranter Atheist geworden.
Lieber Peter,
das ist der Punkt! Sehe mich als toleranten Christen, allerdings auch mit gewissen EInschränkungen. Das ist der Sinn des Lebens meiner Meinung nach: Leben und leben lassen.
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